„Bahnfahren zu Weihnachten? – Nein Danke!“
Ein aktueller Erfahrungsbericht:
Die Deutsche Bahn – oder DIE BAHN, wie sie sich gerne nennt – eine Erfindung, die Ihre Existenzberechtigung am heutigen Tage wieder mal verwirkt hat – zumindest für meine Wenigkeit. Aber fangen wir doch vorne an:
Am Tag vor Heiligabend (also am 23.Dezember – für uninformierte Leser) eine Fernreise anzutreten, mag schon nicht nach einer guten Idee klingen. Und wie ich heute am eigenen Leib erfahren musste – so ist es das auch wirklich nicht. So entscheidet die Bahn einfach mal von heute auf morgen „Ach, lassen wir doch einfach mal jeden zweiten ICE ausfallen, mal sehen was passiert“. Die Gründe für diese Entscheidung sind so dubios wie rätselhaft. Zwar kommt die Führung der Bahn immer mit irgendwelchen tollen logisch klingenden Erklärungen daher – aber wir wissen doch alle: Die wollen uns einfach nur nerven!
Und da ich ja von Haus ein „Glückspilz“ bin, ist mein ICE natürlich auch unter denen, die heute einfach mal NICHT fahren.
Was tun? Ticket ist gekauft mit Zugbindung und Platzreservierung. Also am Abend des 22.12. dann noch eine halbe Stunde in der Warteschleife der Bahn-Servicehotline verbracht, wobei einem durch dauerndes Hören der tatsächlich grässlichen Musik und ständigen Durchsagen der Art „Aufgrund großen Serviceaufkommens sind momentan alle Leitungen besetzt, bitte legen Sie nicht auf.“ labilen Persönlichkeiten schon mal Selbstmordgedanken kommen können. Es konnte ja auch niemand ahnen, dass Kunden bei der Bahn anrufen würden nachdem bekannt wurde, dass 50% aller Fernverkehrszüge Richtung Norden gestrichen sind – oh nein, wie abwegig!
Es hieß dann einfach, gehen Sie zum Servicepoint, die wissen schon was zu tun ist – tolle Auskunft, die hätte mir Fräulein Ludmilla von nebenan auch aus Ihrer Kristallkugel ziehen können. Also was war zu tun: Auf zum Bahnhof, oh wie man sich da freut!
Es gab da jedoch ein zweites Problem: ich hatte eigentlich vor, heute Vormittag zur Arbeit zu fahren, um einige Dinge vor Weihnachten zu klären, und wollte dann nachmittags die Fernreise antreten. Es ging dann also am 23.12. morgens um 7 Uhr zum Hauptbahnhof München. Der Zug Richtung Rosenheim (mein Ziel Großkarolinenfeld liegt auf der Strecke) sollte um kurz nach halb 8 fahren. Bei Ankunft am Gleis fällt mir diese kleine animierte Tickernachricht auf: „ca. 60 min. Verspätung“. Na toll, war ja klar. Also hieß es warten.
Als der Zug dann tatsächlich einfuhr und die Wartenden sich anstellten, einzusteigen, die Durchsage: „Bitte alles aussteigen, aufgrund einer Streckensperrung verkehrt dieser Zug heute nicht“. Wie bitte? Nach Informationseinholung vom Zugbegleiter gab es anscheinend einen Unfall (so sein “Kenntnisstand”), die Strecke München-Rosenheim wurde gesperrt. Wird ja immer besser. Also gar nicht lange überlegt und ab zum Servicepoint (da wollte ich sowieso noch hin).
Nun muss man wissen, dass es beim Bahn-Servicepoint München Hbf etwa 12 Schalter für die zweite Klasse gibt. Wie viele sind besetzt, jetzt da die Streckensperrung bekannt ist und Dutzende Menschen Infos wollen? – DREI! Die Bahn halt… Also Nummer gezogen, hingesetzt und brav gewartet bis man aufgerufen wird – wir sind ja deutsch und gut erzogen…
Die Umstellung der Verbindung für die Fernreise am Nachmittag war überraschenderweise problemlos. Neue Verbindung rausgesucht, Reservierungen für die Sitzplätze umgebucht (es waren tatsächlich noch welche zu haben!) und alles fünfmal abgestempelt und abgezeichnet – die Bürokratie sei gesegnet!
Das zweite Problem „Wie komme ich heute Vormittag noch nach Großkarolinenfeld?“ gestaltete sich dann etwas schwieriger. Zum Glück saßen zwei Bahn-Angestellte an meinem Schalter. Eine war wohl eine Auszubildende, die alles genauestens beobachten sollte, tatsächlich aber ständig nur mit Ihrem Handy beschäftigt war – hatte wohl was Tolles auf YouTube gefunden.
Es gab da nämlich widersprüchliche Informationen. Vom Zugbegleiter etwas früher an diesem Morgen kam die Aussage: „Fährt nicht, wird umgeleitet.“, jetzt hieß es „Das geht schon irgendwie, wir sind dabei, einen Schienersatzverkehr zu organisieren“ (Was soviel heißt wie: „Nehmen Sie doch einfach ein Taxi.“).
Doch die Azubi schien plötzlich zum Leben erweckt. „Oder er nimmt den EC.“ Ungläubige Blicke aus allen Richtungen. Widerwillig tippte die Vorgesetzte auf Ihrem Keyboard herum, setzte Ihr strahlendstes Lächeln auf (wodurch ich fast erblindet wäre) und gibt die Auskunft: „Sie können auch den EC nach Rosenheim nehmen und von da aus dann ein Stück zurückfahren.“ Klingt ja super!
Bei genauerer Betrachtung der Verbindung stellte sich jedoch heraus, dass ich in diesem Fall fast 90 min. unterwegs und etwa gegen Mittag am Ziel wäre. Eigentlich hatte ich aber vorgehabt, mittags von dort aus meine Fernreise anzutreten. Ergebnis: Vormittags zur Arbeit zu kommen, ist rein „verkehrstechnisch“ nicht möglich. Daher wird heute also etwas Homeoffice betrieben, wichtige Aufgaben an Kollegen vor Ort weitergegeben. Es muss ja irgendwie gehen.
Was haben wir daraus gelernt?
Punkt 1: Verlasse dich niemals auf die Bahn.
Punkt 2: Trete keine Bahn-Fernreise am Tag vor Heiligabend an.
Punkt 3: Mitmenschen mit Bluthochdruck bitte nur in Begleitung auf die Bahn loslassen – Infarkt- und Amokgefahr sind einfach zu groß.
Punkt 4: Der neue Slogan der Bahn: „Die Bahn kommt… meistens… manchmal… äh… ab und zu… also wenn sie will und sowieso… „ – Wow, echt einprägsam.
Punkt 5: Die Bahn ist doof.
Schöne Feiertage.




Oh ja, dem kann ich leider nur zustimmen. Was die Bahn sich da wieder geleistet und den Bahnkunden zugemutet hat. Wenn es eine Alternative zur Bahn gebe, die umweltfreundlich und ähnlich einfach zu nutzen wäre, würde ich sofort wechseln. So ist man der Bahn mehr oder weniger ausgeliefert…
Echt eine Unverschämtheit! Da bucht man lange im Voraus seine Zugverbindung zu Weihnachten und dann von heute auf morgen fällt einfach der Zug aus! Damit ist die Buchung weg, man muß ewig am Service warten – die dort sind dann total überfordert mit dem Besucheransturm – und bangen, ob man überhaupt noch ein Ticket geschweige denn, einen Sitzplatz für eine über 5-stündige Fahrt bekommt! Also “Service” ist was anderes…
Ich kann den Unmut durchaus verstehen, war selber von diesem “Kommunikationschaos” der Bahn zu Weihnachten betroffen.
Aber ein gutes hatte das Ganez: als ich in der Schlange zum Umbuchen stand habe ich per Zufall eine alte Schulfreundin getroffen, die ebenfalls umbuchen mußte und die ich schon viele Jahre nicht mehr gesehen habe.
Sind dann erstmal auf einen Kaffee gegangen und jetzt per eMail, Telefon und Facebook wieder in Kontakt